Geschichte

Den frühesten Hinweis auf menschliche Anwesenheit im Lieper Winkel gibt eine Pfeilspitze aus Feuerstein, die in der Gemarkung Grüssow gefunden wurde. Sie datiert aus der Mittelsteinzeit (8000- 4000/3000 v. Chr.). In der anschließenden Jungsteinzeit (4000/3000 – 1800 v.Chr.) gab es im Lieper Winkel dann schon feste Siedlungen mit Ackerbau und Viehzucht. Dies war die Zeit der Megalith-Kultur („Hünengräber“). In Morgenitz, unmittelbar am Lieper Winkel gelegen, wurde ein solches Großsteingrab gefunden. Archäologische Funde belegen auch aus der folgenden Bronzezeit (1800 – 500 v. Chr.) und der Vorrömischen Eisenzeit (500 v. Chr. bis 0) Ansiedlungen im Lieper Winkel.

 

Um die Zeitenwende war Usedom vermutlich von den germanischen Rugiern und/oder benachbarten Stämmen bewohnt. Diese verließen das Gebiet in den ersten Jahrhunderten n.Chr. im Zuge der Völkerwanderung.

 

Ab dem 7. Jahrhundert wanderten dann slawische Völker ein, und mindestens seit der Wikingerzeit (um 800) gehörte das Gebiet zu einem durch Seefahrt verbundenen großen Handelsraum im westlichen und südlichen Ostseegebiet. Bis zum Jahr 1000 entwickelten sich die eingewanderten slawischen Stämme zu der Gruppe der Luitizen. Jüngste archäologische Ausgrabungen (2014) belegen eine slawische Siedlung aus dieser Zeit am Steilufer des Peenestroms in Rankwitz, direkt vor dem Museum. Die Fundstücke aus dieser Grabung sind im "Heimathof Lieper Winkel" ausgestellt. Die nahe Stadt Usedom, nur etwa 5 km von hier über den Peenestrom erreichbar, war damals bereits ein wichtiger Handelsplatz.

 

Die Luitizen im Bereich Usedom wurden ab etwa 1126 von Herzog Wartislaw I (etwa 1100 bis etwa 1148) beherrscht, der die Greifendynastie begründete. Dieser war von dem Polenherzog Bogislaw III unterworfen und dann unter Auflagen belehnt worden. Eine der Auflagen, die Annahme des christlichen Glaubens, wurde erfüllt, als Wartislaw I und der pommersche Hochadel zu Pfingsten 1128 in der Stadt Usedom das Christentum annahmen (zweite Missionsreise des Bischofs Otto von Bamberg). Ein Menschenleben danach, im Jahr 1187, wird der Lieper Winkel erstmals urkundlich erwähnt. Damals schenkte die Witwe des Pommernherzogs Bogislaw I (Sohn des Wartislaw I) das Gebiet mit allen Dörfern dem Kloster Grobe nahe der Stadt Usedom. Schon bald danach muss im Dorf Liepe („Lipa“ = Linde) der Bau einer Kirche erfolgt sein (heute St. Johannes). Diese wird im Jahr 1216 erstmals erwähnt und ist damit der älteste urkundlich belegte Kirchenstandort auf Usedom.

 

In den folgenden Jahrzehnten wurde dieser Bereich Pommerns sowohl von Dänemark als auch von Brandenburg bedrängt. Um diesem Druck entgegenzuwirken, betrieb der damalige Herzog Wartislaw III (etwa 1210 bis 1264) Landesausbau, indem er Zuwanderung u.a. aus Westfalen und Niedersachsen ermutigte und vielen Siedlungen Stadtrechte verlieh. Mit den Zuwanderern setzte sich in der Bevölkerung für Jahrhunderte die Niederdeutsche Sprache (Plattdeutsch) fest, die hier bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts im Alltagsleben dominierte. Heute wird es leider nur noch von den Älteren gesprochen.

 

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